Bin ich bekloppt?

Frau Fiedler kommt in meine Praxis. Sie beklagt sich über ihre 14jährige Tochter Carolin. Sie würde die Schule schwänzen, ließe sich nichts mehr sagen und sei ihr gegenüber frech. Ihr Exmann würde keinerlei Verantwortung für ihre beiden Kinder übernehmen. Sie müsse gestehen, dass sie am liebsten wolle, dass Carolin aus dem Haus wäre, weil sie oft einen Hass auf Carolin verspüre.

Zunächst möchte ich von Frau Fiedler wissen, wie es ihr persönlich geht. Als Krankenschwester ist sie wegen einer Operation an der Wirbelsäule seit längerem krank geschrieben. Frau Fiedler äußert, dass sie oft müde sei, sich schwindelig fühle und ein Juckreiz sie nicht selten aggressiv mache. Dann ticke sie manchmal aus. Das kenne sie gar nicht von sich, ob sie bekloppt sei?

Mich beunruhigen Frau Fiedlers Angaben. Weiterlesen ›

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Schäden im Gehirn durch Erziehung?

Kürzlich kamen Eltern mit ihrer 14 jährigen Katrin in meine Praxis, weil ihre Tochter in der Schule in einigen Fächern versagt und, trotz intensiver Nachhilfe, keinerlei Fortschritte macht. Man stünde vor einem Rätsel, denn Katrin sei eigentlich begabt und hätte früher Spaß am Lernen gehabt. Eine psychiatrische Untersuchung hätte keine Erleuchtung gebracht. Die nächsten Male kommt Katrin alleine zu mir. Nach einigen Sitzungen vertraut sie mir ihre Probleme mit ihren Eltern an. Unter Tränen gesteht sie, wie sehr ihr Vater sie unter Druck setzt, damit sie bessere Noten schreibt. Bei schlechten Zensuren bekommt sie Fernseh- und Ausgehverbot. Bevorstehende Klassenarbeiten würde sie vor den Eltern verheimlichen, um nicht dauernd zum Büffeln ermahnt zu werden. Mir ist sofort klar, wie sehr Katrin unter Angst und Stress leidet und welche Folgen das für ihr schulisches Lernen hat. Weiterlesen ›

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Lob macht abhängig!

Sachliche Bewertung fördert Eigenständigkeit und beugt vielschichtigen Problemen vor

Frau Brede ist sehr angetan vom Besuch des STEP-Elterntrainings. Die neu erlernten Methoden verbessern die Beziehung zu ihrer Tochter. Früher hat sie ihr Kind oft belehrt und sich gewundert, wie wenig sie dadurch erreicht hat. Jetzt bemüht sie sich, die Sichtweise ihrer Tochter zu verstehen und sie zu ermutigen. Irritiert hat sie jedoch der Rat in einem der Bücher, ihr Kind nach einer Leistung zu loben. Ich teile ihre Bedenken. Weiterlesen ›

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Der Ton macht die Musik

Hans wünscht sich zu seiner 3 1/2 jährigen Tochter Emma eine gute Beziehung. Am Wochenende hat er Zeit. Doch da gibt es manchmal Kummer. Er fragt sich:”Was mache ich nur falsch? Ich kann Emma doch nicht alles durchgehen lassen!” Ich lasse ihn eine konkrete Situation schildern. Er berichtet:”Emma hat ihre neuen Buntstifte in der Hand und ist gerade im Begriff an der Tapete zu malen. Ich rufe laut: ´Das darfst du nicht, die Tapete wird schlecht, du hast doch einen Malblock!´ Emma heult sofort los und flüchtet zu ihrer Mutter.” Ich bitte Hans, sich zu überlegen, wie ein solches autoritär ausgesprochenes Verbot bei einem kleinen Kind ankommt. Ihm wird klar, dass Emma, beglückt über die bunten Stifte, sich aufs Malen freut. Der energische Ton des Vaters hat sie vermutlich erschreckt und ihr Angst eingeflößt. Statt sich um eine heile Tapete zu sorgen, will Hans jetzt lernen, verständnisvoll auf Emma einzugehen. Er kann ihr Interesse von der Tapete weg auf den Malblock lenken und sie bitten, diesen mit ihm zusammen zu holen. Beim Malen kann er ihr zuschauen oder mit ihr zusammen etwas kreieren. Anschließend können sie gemeinsam einen Platz an einer Tür finden, wo sie die Malerei befestigen und immer wieder anschauen können. Nach diesem fröhlichen gemeinsamen Tun kann er Emma erklären, dass dieser Platz für Gemälde besser ist als die Tapete, die geschont werden muss. Diese Mitteilung, in einem festen aber freundlichen Ton ausgesprochen, wird ohne unnötigen Kummer wirken.  Und Vater und Tochter haben Spaß mit einander gehabt und von einander gelernt.

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Will mein Kind mich ärgern? Habe ich das verdient?

Der Zufall will, dass ich bei einem Telefonanruf die Mutter von Rita erreiche. Offenbar hat sie auf diese Gelegenheit schon gewartet. Sie ist über einen Konflikt zwischen Vater und Tochter beunruhigt. Ihr Mann hat einen anstrengenden Beruf. Abends möchte er gerne von seiner kleinen Tochter begrüßt werden. Doch was ist mit Rita los? Sie läuft einfach weg, wenn sie den Papa sieht. Dieser ist gekränkt und zieht sich schmollend ins Schlafzimmer zurück. Will Rita den Vater wirklich ärgern? Sicherlich nicht. Leider hat der STEP-Elternkurs noch nicht begonnen, sonst wüsste der Vater mehr darüber, was in seiner kleinen Tochter vor sich geht. Kinder sind keine Verstandesmenschen. Sie leben im Augenblick und verfolgen ihre eigenen Ziele. Auch mögen sie gerne spaßen und lachen. Ich schlage der Mutter vor, dass der Vater es mal mit einem Versteckspiel versucht, hinter Rita her läuft, sie erhascht und mit ihr schäkert. Bald wird der Vater merken, wie lustig es ist, selbst wieder in eine Kindrolle zu schlüpfen. Und beide werden sich auf die abendliche Begrüßung freuen. – “Tue das Unerwartete!” ist eine der vielen hilfreichen Methoden nach STEP.

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Zahnpflege – ein Offenbarungseid

Frau Exakt klagt: “Fred lässt seine Zähne vergammeln und das ist ihm egal. Selbst ein erheblicher Taschengeldabzug für die Zuzahlung beim Zahnarzt schockt ihn nicht. Wie kann ich den Zwölfjährigen noch kontrollieren? Er trickst mich aus, indem er im Bad nur das Wasser rauschen lässt, um mir weiß zu machen, dass er Zähne putzt!“ „Wie klappte das Zähneputzen denn bisher?“ möchte ich wissen. Frau Exakt gesteht: „Ich musste ihn dauernd ermahnen und öfter auch im Bad hinter ihm stehen! Er wird jetzt 13, dann geht das doch nicht mehr!“ „Nein, natürlich nicht,“ pflichte ich ihr bei. Frau Exakt seufzt: „Ich mache mir große Sorgen, dass Fred später mit vergammelten Zähnen herumläuft oder irre hohe Zahnarztrechnungen bezahlen muss.“ – Mir kommen Bilder in den Sinn, wie in naher Zukunft Arme und Reiche sich bereits am Gebiss unterscheiden werden. Die Ursachen sind u.a. die reduzierten zahnärztlichen Untersuchungen in den Schulen und bei Zahnbehandlungen die geringere Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Als Pädagogin und Psychologin werden mir noch ganz andere Zusammenhänge deutlich. Weiterlesen ›

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Fröhliche Ostern?

Zum 2. Ostertag habe ich Frau Gleichmuth mit ihrem achtjährigen Max und der fünfjährigen Susi eingeladen zum fröhlichen Spielen im Park. Mit großer Freude habe ich für jeden eine durchsichtige Tüte mit Häschen und kleinen Geschenken eingepackt. Zur verabredeten Zeit erwarte ich die Familie im Grünen. Erstmal dürfen die Kinder sich beim Ballspielen austoben. Als Susi die bunten Botgerkugeln sieht, strahlt sie, denn beim letzten Treffen hatte nur Max den Spaß, mit mir zu spielen. Doch was ist das? Max äußert missmutig :”Ich habe keine Lust dazu!” –  Schließlich, seine Mutter redet ihm gut zu, macht er doch mit.

Irgendwann verstecke ich unbemerkt die Ostertüten im Gebüsch. Ich sage zu den Geschwistern: “Der Osterhase hat für jeden, auch für Mama, etwas versteckt. Was Ihr gefunden habt, bringt bitte erst zu uns. Dann wollen wir gemeinsam raten, für wen welche Tüte gedacht ist.” Die Kinder laufen los. Max entdeckt gleich 2 Verstecke. Die Mutter ruft ihm zu: “Lass auch was für Susi!” Ihre Bitte verhallt ungehört, denn schon rennt Max weiter, grabscht die dritte Tüte und lässt Susi weinend im Grase zurück. Schließlich kommt Susi zu uns. Ich habe die Hoffnung: “Vielleicht errät sie, dass die niedliche Dose mit der Perlenkette für sie ist und wird in der Freude den Kummer von eben vergessen.” Weit gefehlt! Jetzt fängt sie erst richtig an zu heulen, als sie sieht, dass die Tüte von Max zufällig etwas größer ist als die Ihre, und zwar bevor sie weiß, was für Schätze wirklich für sie sind! Kein Dank, keine Freude!

Später, als wir auf einer schattigen Bank Schokokuchen verzehren, scheint der Familienfriede wieder hergestellt zu sein. Bald vergnügen sich die Kinder auf dem nahen Spielplatz und die Erwachsenen bleiben sinnend auf der Bank zurück. Unvermittelt kommt Max und herrscht seine Mutter an: “Hast Du die Bänder von meiner Marionette schon auseinander getüftelt?” Frau G. vertröstet ihn auf später. Max greift sich den Ball und düst wieder ab. –  Ich spüre, dass in dieser Familie etwas schief läuft, ….. doch was?  Weiterlesen ›

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Kann mein Kind entscheiden?

Anne ist 4 Jahre alt und seit 1,5 Jahren tagsüber trocken. Mit ihrem ständigen Betteln hat sie erreicht, dass ihre Mutter endlich mit ihr für die Osterdekoration einkaufen will. Sie kann es kaum erwarten, dass sie losgehen. Mamas Frage:”Musst du noch mal aufs Klo?” beantwortet sie ungeduldig: “Nein, ich muss nicht!” Und bald sind sie im Supermarkt bei all dem lustigen Osterschmuck. Doch da meldet sich ihre Blase und Anne stöhnt: “Mama, ich muss mal!” Frau Leichtfuß (Name geändert) ist genervt: “Hier ist keine Toilette, du musst jetzt aushalten, bis wir Zuhause sind!” Doch das geht nicht und es passiert, was nicht passieren darf! Das ist Frau Leichtfuß sehr peinlich. Ärgerlich flüchtet sie mit Anne aus dem Supermarkt nach Hause. Wenigstens schafft Frau L. es, sich zusammen zu nehmen und ihren Unmut nicht an Anne auszulassen. Sie ruft ihren Mann an, der verständnisvoll auf sie eingeht und ihr rät, 10 mal tief durchzuatmen, sich abzulenken und sich zu beruhigen.

Wie konnte das Missgeschick passieren? – Nur zu leicht vergessen wir, dass Kinder keine Erwachsene sind. Kinder leben in einer anderen Welt und verfolgen ihre Ziele. Nachdenkliches Planen ist nicht ihre Sache. Sie leben im Augenblick und in der Vorfreude. Wohl können wir Kinder zwischen zwei Dingen wählen lassen, die keine Probleme nach sich ziehen, z.B. die Entscheidung zwischen einem blauen oder roten Pullover, nicht aber zwischen einer dünnen Bluse und einem Pullover.

Wie lassen sich Konflikte vermeiden? Weiterlesen ›

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Ein Elefant im Porzelanladen

Eine Mutter bittet mich um Hilfe: “Mein zwölfjähriger Willi hat Angst vor mir. Ich schreie ihn oft an, wenn er nicht das tut, was ich will. Neulich hat er sich in sein Zimmer verkrochen und seine große Schwester angerufen. Ich schäme mich so, denn in meiner Wut habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst, obwohl ich es hasse, Kinder zu schlagen.” Ich stimme der Mutter zu: “Sie haben Recht, Kinder zu schlagen ist schlimm, denn geschlagene Kinder fühlen sich minderwertig und wollen sich rächen. Sie werden ebenfalls zu Schlägern! Doch schon das Anschreien ist problematisch, weil Sie sich in ihre Wut hinein steigern. Das ist wie Öl ins Feuer zu gießen!” Die Mutter versucht, sich zu rechtfertigen: “Bisher habe ich geglaubt, man müsse den Dampf ablassen.” “Diese Theorie haben leider auch Psychologen vertreten” pflichte ich ihr bei. “Doch heute weiß man es besser.” Weiterlesen ›

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Fahrradkarambulage

“Das Gute-Nacht-Ritual habe ich gleich nach der letzten Therapiesitzung eingeführt”, berichtet Freds Mutter stolz. “Das ist wirklich toll! Fred hat erstmalig von seinen Schwierigkeiten erzählt. Er gibt sonst nie Fehler zu, sondern brüstet sich mit maßlosen Erfolgen.  Gestern Abend gestand er: Mama, ich weiß gar nicht, warum ich immer so aggressiv werde! Er hat berichtet, was ihn so genervt hat. Gemeinsam konnten wir in Ruhe über sein Missgeschick sprechen. Für heute Abend,” so fährt Frau T. fort, “habe ich selber bereits ein Thema. Auf dem Herweg hatte ich einen Fahrradzusammenstoß.” Weiterlesen ›

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