Archive for April, 2011

Kann mein Kind entscheiden?

Samstag, April 16th, 2011

Anne ist 4 Jahre alt und seit 1,5 Jahren tagsüber trocken. Mit ihrem ständigen Betteln hat sie erreicht, dass ihre Mutter endlich mit ihr für die Osterdekoration einkaufen will. Sie kann es kaum erwarten, dass sie losgehen. Mamas Frage:”Musst du noch mal aufs Klo?” beantwortet sie ungeduldig: “Nein, ich muss nicht!” Und bald sind sie im Supermarkt bei all dem lustigen Osterschmuck. Doch da meldet sich ihre Blase und Anne stöhnt: “Mama, ich muss mal!” Frau Leichtfuß (Name geändert) ist genervt: “Hier ist keine Toilette, du musst jetzt aushalten, bis wir Zuhause sind!” Doch das geht nicht und es passiert, was nicht passieren darf! Das ist Frau Leichtfuß sehr peinlich. Ärgerlich flüchtet sie mit Anne aus dem Supermarkt nach Hause. Wenigstens schafft Frau L. es, sich zusammen zu nehmen und ihren Unmut nicht an Anne auszulassen. Sie ruft ihren Mann an, der verständnisvoll auf sie eingeht und ihr rät, 10 mal tief durchzuatmen, sich abzulenken und sich zu beruhigen.

Wie konnte das Missgeschick passieren? - Nur zu leicht vergessen wir, dass Kinder keine Erwachsene sind. Kinder leben in einer anderen Welt und verfolgen ihre Ziele. Nachdenkliches Planen ist nicht ihre Sache. Sie leben im Augenblick und in der Vorfreude. Wohl können wir Kinder zwischen zwei Dingen wählen lassen, die keine Probleme nach sich ziehen, z.B. die Entscheidung zwischen einem blauen oder roten Pullover, nicht aber zwischen einer dünnen Bluse und einem Pullover.

Wie lassen sich Konflikte vermeiden? [Mehr]

Ein Elefant im Porzelanladen

Mittwoch, April 13th, 2011

Eine Mutter bittet mich um Hilfe: “Mein zwölfjähriger Willi hat Angst vor mir. Ich schreie ihn oft an, wenn er nicht das tut, was ich will. Neulich hat er sich in sein Zimmer verkrochen und seine große Schwester angerufen. Ich schäme mich so, denn in meiner Wut habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst, obwohl ich es hasse, Kinder zu schlagen.” Ich stimme der Mutter zu: “Sie haben Recht, Kinder zu schlagen ist schlimm, denn geschlagene Kinder fühlen sich minderwertig und wollen sich rächen. Sie werden ebenfalls zu Schlägern! Doch schon das Anschreien ist problematisch, weil Sie sich in ihre Wut hinein steigern. Das ist wie Öl ins Feuer zu gießen!” Die Mutter versucht, sich zu rechtfertigen: “Bisher habe ich geglaubt, man müsse den Dampf ablassen.” “Diese Theorie haben leider auch Psychologen vertreten” pflichte ich ihr bei. “Doch heute weiß man es besser.” [Mehr]

Fahrradkarambulage

Dienstag, April 5th, 2011

“Das Gute-Nacht-Ritual habe ich gleich nach der letzten Therapiesitzung eingeführt”, berichtet Freds Mutter stolz. “Das ist wirklich toll! Fred hat erstmalig von seinen Schwierigkeiten erzählt. Er gibt sonst nie Fehler zu, sondern brüstet sich mit maßlosen Erfolgen.  Gestern Abend gestand er: Mama, ich weiß gar nicht, warum ich immer so aggressiv werde! Er hat berichtet, was ihn so genervt hat. Gemeinsam konnten wir in Ruhe über sein Missgeschick sprechen. Für heute Abend,” so fährt Frau T. fort, “habe ich selber bereits ein Thema. Auf dem Herweg hatte ich einen Fahrradzusammenstoß.” [Mehr]

Die Töpfchen-Arie

Montag, April 4th, 2011

Wie es der jetzt dreijährigen Rita geht, möchte ich bei jedem Treffen vom Vater erfahren. Gestern berichtete er vom jüngsten Drama: “Ich habe irgendwo gehört, man solle kleine Kinder eine halbe Stunde nach der Malzeit aufs Töpfchen setzen. Ich dachte mir `warum nicht gleich auf die Toilette, dann kann Rita nicht alleine aufstehen.´ Ich habe ihr eine Geschichte vorgelesen. Während der erfolglosen Sitzung hat sie dreimal die Spülung betätigt. Als mir das schließlich zu bunt wurde, habe ich Rita heruntergehoben. Doch da hat sie sofort ins Badezimmer gepinkelt und eine schöne Bescherung angerichtet. Sie können sich vorstellen, wie wütend ich war!” [Mehr]

Maximilian will Papa werden

Sonntag, April 3rd, 2011

Das Buch “Maximilian will Papa werden”  (Näheres dazu unter www.kinder-hh.de)  habe ich für Kinder und ihre Eltern geschrieben. In Begleitung von Maximilian kann man etwas darüber erfahren, wie hilfreich der Besuch von Elterntrainings ist. Maximilian ist glücklich, als er von einem Vater in Elternzeit erfährt, dass Eltern Erziehung lernen können und es dann viel weniger Streit in der Familie gibt. Tatsächlich gelingt es Maximilian, seine Mutter für den Besuch eines STEP-Elternkurses zu gewinnen. [Mehr]

Das Gute-Nacht-Ritual

Samstag, April 2nd, 2011

Der achtjährige Fred verkündet Sonntagabend: “Heute putze ich keine Zähne!” Die Mutter erinnert ihn: “Denk dran, Montag ist Therapie. Auf dem Hinweg dürfen Anne und du eine Schnecke vom Bäcker holen. Wer seine Zähne nicht geputzt hat, darf nichts Süßes essen!” Fred ist schlecht gelaunt. Was morgen passiert, interessiert ihn jetzt nicht. Trotzig geht er mit ungeputzten Zähnen zu Bett. Montag wird Fred wie üblich von Mutter und Schwester zur Therapiestunde begleitet. Die sechsjährige Anna futtert genüsslich ihre Zuckerschnecke. Die Mutter sagt zu mir: “Fred ist heute schlecht drauf” und berichtet mir das Drama vom Zähneputzen. Fred ist bereits grußlos an mir vorbei in den Therapieraum geflitzt, sitzt dort und starrt vor sich hin. Während er sonst gut mitarbeitet und später eigene Vorschläge machen darf, ist es heute schwierig, ihn aus seiner Blockade herauszuholen. Da er sein Bauwerk vom letzten Mal nicht wiederfindet, beschimpft er mich, dass ich dieses nicht aufgehoben habe. Ich bemühe mich, verständnisvoll auf seinen Ärger einzugehen. Allmählich gelingt es mir, ihn für kreatives Tun zu gewinnen. Doch ich muss unbedingt mit seiner Mutter sprechen. Gut, dass ich gerade für morgen mit ihr einen Termin vereinbart habe. Freds Mutter ist besonders aufgeschlossen und möchte einen guten Umgang mit ihren Kindern lernen. Die Strafe für die nicht geputzten Zähne hatte sie angekündigt und meint, sie habe sich konsequent verhalten. Die Reaktion von Fred macht sie ratlos. Leider ist die verhängte Konsequenz unverhältnismäßige und unpassend für ein Kind, dass sich gerade in Schwierigkeiten befindet. Verständlich, dass Fred sich unfair behandelt fühlt und mit seinem Frust überall aneckt. Das Geschehen werde ich morgen mit der Mutter ausführlich erörtern. [Mehr]