Ein Elefant im Porzelanladen

Eine Mutter bittet mich um Hilfe: „Mein zwölfjähriger Willi hat Angst vor mir. Ich schreie ihn oft an, wenn er nicht das tut, was ich will. Neulich hat er sich in sein Zimmer verkrochen und seine große Schwester angerufen. Ich schäme mich so, denn in meiner Wut habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst, obwohl ich es hasse, Kinder zu schlagen.“ Ich stimme der Mutter zu: „Sie haben Recht, Kinder zu schlagen ist schlimm, denn geschlagene Kinder fühlen sich minderwertig und wollen sich rächen. Sie werden ebenfalls zu Schlägern! Doch schon das Anschreien ist problematisch, weil Sie sich in ihre Wut hinein steigern. Das ist wie Öl ins Feuer zu gießen!“ Die Mutter versucht, sich zu rechtfertigen: „Bisher habe ich geglaubt, man müsse den Dampf ablassen.“ „Diese Theorie haben leider auch Psychologen vertreten“ pflichte ich ihr bei. „Doch heute weiß man es besser.“Lernen, mit seiner Wut umzugehen, da gibt es heute zum Glück viele Methoden, die ich der Mutter beibringe und sie bitte, sie regelmäßig zu trainieren:

  •  Progressive Muskelentspannung nach Jakobsen
  •  Bioenergetische Übungen
  •  Akupressur, bei der man bestimmte Meridianpunkte klopft oder drückt
  •  „Die acht Minuten Meditation“ von Victor Davich

Großen Nutzen zieht die Mutter aus dem Elefantenbuch. Auf dem Buchcover schreitet ein großer Elefant achtsam durch einen Porzellanladen, ohne Tassen, Vasen oder Krüge zu zertrümmern. Das Studieren von „Mit Ärger und Wut umgehen – Der achtsame Weg in ein friedliches Leben“ (Huber Verlag) haben ihr die Augen geöffnet. Nach der Lektüre des Buches berichtet sie mir: „Wenn ich mich wieder über Willi ärgere, weiß ich, dass ich die Wahl habe, ob ich mich in Wut hinein steigern, oder meine Energie sinnvoller anwenden will. Dann hilft mir der Wirksatz, den Sie mir aus dem Märchen vom schlauen Fuchs empfohlen haben: Stopp! cool bleiben! Ich sage ihn mir täglich 100 Mal. Willi staunt, wie ich mich verändert habe. Heute lachen wir öfter, wenn wir statt zu streiten, uns gegenseitig an witzige Fuchssprüche erinnern.“

Getagged mit: