Zahnpflege – ein Offenbarungseid

Frau Exakt klagt: “Fred lässt seine Zähne vergammeln und das ist ihm egal. Selbst ein erheblicher Taschengeldabzug für die Zuzahlung beim Zahnarzt schockt ihn nicht. Wie kann ich den Zwölfjährigen noch kontrollieren? Er trickst mich aus, indem er im Bad nur das Wasser rauschen lässt, um mir weiß zu machen, dass er Zähne putzt!“ „Wie klappte das Zähneputzen denn bisher?“ möchte ich wissen. Frau Exakt gesteht: „Ich musste ihn dauernd ermahnen und öfter auch im Bad hinter ihm stehen! Er wird jetzt 13, dann geht das doch nicht mehr!“ „Nein, natürlich nicht,“ pflichte ich ihr bei. Frau Exakt seufzt: „Ich mache mir große Sorgen, dass Fred später mit vergammelten Zähnen herumläuft oder irre hohe Zahnarztrechnungen bezahlen muss.“ – Mir kommen Bilder in den Sinn, wie in naher Zukunft Arme und Reiche sich bereits am Gebiss unterscheiden werden. Die Ursachen sind u.a. die reduzierten zahnärztlichen Untersuchungen in den Schulen und bei Zahnbehandlungen die geringere Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Als Pädagogin und Psychologin werden mir noch ganz andere Zusammenhänge deutlich.

Der familiäre Konflikt von Frau Exakt und ihrem Sohn, mit den unerfreulichen Folgen, macht deutlich, wie ungeeignet übliche Erziehungspraktiken mit Kontrollieren und Bestrafen sind. Selbst logische Konsequenzen greifen nur vorübergehend. Spätestens in der Pubertät sind die Jugendlichen den Erwachsenen derart überlegen, dass diese kaum noch Einfluss auf ihre Kinder nehmen können. Es sei denn, …….. ja was?

Die Antwort ist vielschichtig. Eltern, die ein STEP-Elterntraining besucht haben, sind gut informiert. Sie wissen, dass es keine einfachen Rezepte gibt. Sie haben selbst erfahren, dass es zunächst einer guten Beziehung bedarf, in der ein freundlicher Umgangston herrscht, sodass Kinder von klein auf an ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln. Durch Vorbild und Ermutigung lernen sie Gemeinsinn und Mitverantwortung. Grundregeln geben ihnen Sicherheit und schaffen einen verlässlichen Rahmen. Die Regeln gelten für alle, werden altersgemäß erklärt, aber nicht ständig diskutiert. Im Falle der Zahnpflege gilt, dass jeder, auch der Erwachsene, seine Zähne mindestens morgens und abends nach der Mahlzeit gründlich putzt. Absprachen über Verhandelbares können im Familienrat getroffen werden, der eine weitere wichtige Methode ist.

Eltern mit STEP-Kurserfahrung berichten begeistert, wie viel einfacher der Familienalltag ist, wenn  Ermahnen und Kontrollieren schlichtweg überflüssig geworden sind.  Doch nicht nur bei der Zahnpflege wird offenbar, ob Eltern wertschätzende, erfolgreiche Methoden anwenden. Vielmehr haben sie durch den Kursbesuch erfahren, dass generell der übliche Erziehungsstress entfällt und sich die Mühen des Umlernens lohnen!

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