Lob macht abhängig!

Sachliche Bewertung fördert Eigenständigkeit und beugt vielschichtigen Problemen vor

Frau Brede ist sehr angetan vom Besuch des STEP-Elterntrainings. Die neu erlernten Methoden verbessern die Beziehung zu ihrer Tochter. Früher hat sie ihr Kind oft belehrt und sich gewundert, wie wenig sie dadurch erreicht hat. Jetzt bemüht sie sich, die Sichtweise ihrer Tochter zu verstehen und sie zu ermutigen. Irritiert hat sie jedoch der Rat in einem der Bücher, ihr Kind nach einer Leistung zu loben. Ich teile ihre Bedenken.

Es ist psychologisches Grundwissen, dass Lob abhängig macht von der Bewertung durch andere, wie z. B. der Satz: „Das hast du toll gemacht!“ Ganz anders ist es, wenn ich sage: „Der Wasserhahn, den du geputzt hast, glänzt richtig!“ Das ist eine sachliche Beurteilung, die hilft, eine Leistung selbst zu bewerten und sich über seine Erfolge zu freuen, ohne auf ein Lob von anderen angewiesen zu sein. Die Fähigkeit, sein eigenes Tun zu beurteilen, stärkt das Selbstbewusstsein und beugt Depressionen vor, die bei Kindern und Jugendlichen verbreitet sind. Prävention durch elterliche Erziehungskompetenz ist daher dringend erforderlich.

Lob bei Wettkämpfen ist besonders problematisch. Es fördert kein tolerantes und verständnisvolles Verhalten anderen gegenüber. Vielmehr birgt es die Gefahr in sich, dass übertriebene Konkurrenz gefördert wird, Sportler sich und andere mit Doping schädigen und Verlierer degradiert und ausgegrenzt werden. Soziologen konstatieren sogar einen Einfluss auf die internationale Ökonomie. Weltweit lässt sich ein rücksichtsloser Konkurrenzkampf und Umweltschädigung beobachten, wie z.B. bei der Wirtschaftsmacht USA mit der Zerstörung der Umwelt durch Fracking. Auch die „konventionelle“ Landwirtschaft mit Genmanipulation von Sorten, Bodenverseuchung durch Pestizide und quälerische Massentierhaltung ist eine Folge von Egoismus und mangelndem Verantwortungsbewusstsein in der Gesellschaft.

Der Gemeinsinn sollte frühzeitig in der Kindheit gepflegt werden, denn er ist der Grundstein für einen freundlichen Umgang miteinander, für Umweltschutz und für den Frieden in der Welt.

Frau Brede ist sehr erstaunt über die enorme Bedeutung von Erziehung für die psychische Gesundheit ihres Kindes und sogar für das weltpolitische Geschehen. Darum ist sie entschlossen, in Zukunft den Familienrat regelmäßig durchzuführen. Denn es ist erwiesen, dass ein gut geführter Familienrat in besonderer Weise das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden stärkt und gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme fördert.

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