Die Töpfchen-Arie

Wie es der jetzt dreijährigen Rita geht, möchte ich bei jedem Treffen vom Vater erfahren. Gestern berichtete er vom jüngsten Drama: „Ich habe irgendwo gehört, man solle kleine Kinder eine halbe Stunde nach der Malzeit aufs Töpfchen setzen. Ich dachte mir `warum nicht gleich auf die Toilette, dann kann Rita nicht alleine aufstehen.´ Ich habe ihr eine Geschichte vorgelesen. Während der erfolglosen Sitzung hat sie dreimal die Spülung betätigt. Als mir das schließlich zu bunt wurde, habe ich Rita heruntergehoben. Doch da hat sie sofort ins Badezimmer gepinkelt und eine schöne Bescherung angerichtet. Sie können sich vorstellen, wie wütend ich war!“ Weiterlesen ›

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Maximilian will Papa werden

Das Buch „Maximilian will Papa werden“  (Näheres dazu unter www.kinder-hh.de)  habe ich für Kinder und ihre Eltern geschrieben. In Begleitung von Maximilian kann man etwas darüber erfahren, wie hilfreich der Besuch von Elterntrainings ist. Maximilian ist glücklich, als er von einem Vater in Elternzeit erfährt, dass Eltern Erziehung lernen können und es dann viel weniger Streit in der Familie gibt. Tatsächlich gelingt es Maximilian, seine Mutter für den Besuch eines STEP-Elternkurses zu gewinnen. Weiterlesen ›

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Das Gute-Nacht-Ritual

Der achtjährige Fred verkündet Sonntagabend: „Heute putze ich keine Zähne!“ Die Mutter erinnert ihn: „Denk dran, Montag ist Therapie. Auf dem Hinweg dürfen Anne und du eine Schnecke vom Bäcker holen. Wer seine Zähne nicht geputzt hat, darf nichts Süßes essen!“ Fred ist schlecht gelaunt. Was morgen passiert, interessiert ihn jetzt nicht. Trotzig geht er mit ungeputzten Zähnen zu Bett. Montag wird Fred wie üblich von Mutter und Schwester zur Therapiestunde begleitet. Die sechsjährige Anna futtert genüsslich ihre Zuckerschnecke. Die Mutter sagt zu mir: „Fred ist heute schlecht drauf“ und berichtet mir das Drama vom Zähneputzen. Fred ist bereits grußlos an mir vorbei in den Therapieraum geflitzt, sitzt dort und starrt vor sich hin. Während er sonst gut mitarbeitet und später eigene Vorschläge machen darf, ist es heute schwierig, ihn aus seiner Blockade herauszuholen. Da er sein Bauwerk vom letzten Mal nicht wiederfindet, beschimpft er mich, dass ich dieses nicht aufgehoben habe. Ich bemühe mich, verständnisvoll auf seinen Ärger einzugehen. Allmählich gelingt es mir, ihn für kreatives Tun zu gewinnen. Doch ich muss unbedingt mit seiner Mutter sprechen. Gut, dass ich gerade für morgen mit ihr einen Termin vereinbart habe. Freds Mutter ist besonders aufgeschlossen und möchte einen guten Umgang mit ihren Kindern lernen. Die Strafe für die nicht geputzten Zähne hatte sie angekündigt und meint, sie habe sich konsequent verhalten. Die Reaktion von Fred macht sie ratlos. Leider ist die verhängte Konsequenz unverhältnismäßige und unpassend für ein Kind, dass sich gerade in Schwierigkeiten befindet. Verständlich, dass Fred sich unfair behandelt fühlt und mit seinem Frust überall aneckt. Das Geschehen werde ich morgen mit der Mutter ausführlich erörtern. Weiterlesen ›

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Wie erreichen Eltern Erziehungskompetenz?

  • durch Erfahrung?
  • Lernen aus Fehlern?
  • durch Versuch und Irrtum?
  • oder so wie man jeden anderen Beruf erlernt, nämlich durch Ausbildung und Anwendung erprobter Methoden?

Wer sind die Leidtragenden bei mangelhafter elterlicher Erziehungskompetenz? Diese Fragen stelle ich mir immer wieder, wenn ich Eltern im Umgang mit ihren Kindern beobachte. Was meinen Sie zu folgenden typischen Eltern-Kind-Szenen? Sonntagsspaziergang an der Alster: Am Leinpfad schiebt der Vater eine Kinderkarre mit dem etwa 1½ jährigen Micha. Vor ihm radelt die ca 3 jährige Anna eifrig auf ihrem Laufrad. Die Mutter geht 5 Schritte vor ihnen, in ein Telefonat vertieft. Eine Fahrradfahrerin kommt ihnen entgegen und klingelt. Die Mutter dreht sich um, herrscht Anna barsch an: „Du musst auf dem Fußweg bleiben!“ Anna radelt weiter, wie bisher. Der Vater mischt sich ein: “Gib jetzt das Laufrad her, hier ist es zu gefährlich! Später bekommst du es wieder.“ Anna hält das Laufrad krampfhaft fest und schreit: „Nein!“ Der Vater ergreift das Rad, verstaut es auf der Karre und zerrt Anna in die untere Etage der Karre. Die Mutter kommentiert: „Du bist wohl müde.“ In der Enge des Karrensitzes windet Anna sich heftig und brüllt. Der Vater befreit sie schließlich. Die Mutter hört jetzt auf zu telefonieren, ergreift die Hand von Anna und sagt: “Jetzt musst du mich anfassen!“ Anna reißt sich los und stampft laut schreiend 3 Schritte hinter den Eltern her. Inzwischen ist der Trupp auf der Krugkoppelbrücke angekommen. Dem Vater wird es zu bunt. Energisch befielt er Anna: „ Du hörst sofort auf zu heulen, sonst bekommst du das Laufrad heute nicht wieder!“ Anna brüllt weiter. Weiterlesen ›

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